Kolumbien: Eine nicht alltägliche Reise mit "Trans-Bringt-Mich-Um"
Von Sven Hoch
Teil 1: Villavicencio
Zunächst ist die Luft erfüllt von einem tiefen, sonoren Brummen. Ein
Brummen, das unwillkürlich an vergangene Zeiten erinnert. Hebt man suchend
den Blick – erkennt man dann plötzlich den silbernen Vogel, der hell
im Sonnenlicht glitzernd am Horizont auftaucht. Auf seinen breiten, eleganten
Schwingen gleitet er entlang der tiefgrünen Ostflanke der Andenkette, um
schließlich hinter den Baumwipfeln dem Auge des Beobachters zu entschwinden.
Es ist nicht verwunderlich, dass sich so mancher Besucher von Villavicencio,
der etwa 400.000 Einwohner zählenden Hauptstadt des kolumbianischen Bundeslandes
Meta, zunächst verwundert die Augen reibt. Denn es sind die letzten Vögel
ihrer Art, die man noch in ihrem angestammten Revier beobachten kann.
Der knapp 100 km südöstlich der Hauptstadt Bogotá gelegene Ort
ist nicht nur das Tor zum riesigen, weitgehend unerschlossenen kolumbianischen
Osten.
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| Villavicencio ist auch die "DC-3-Hauptstadt der Welt".
Nirgendwo sonst stehen noch so viele der legendären Douglas-Flugzeuge
im regulären
Luftverkehr wie hier.
Für die entlegenen Siedlungen inmitten der unendlichen Savannen der Llanos
Orientales und der Regenwälder im Amazonastiefbecken sind diese "Lastesel
der Lüfte" oftmals die einzige Verbindung zur Außenwelt. Viele
Maschinen stammen aus der Zeit des zweiten Weltkriegs und wurden ursprünglich
für die amerikanischen Streitkräfte gebaut. Die DC-3 hat sich dabei
unter den extremen Einsatzgebieten als das ideale Flugzeug bewährt. Robust
und zuverlässig verrichtet sie seit Jahrzehnten ihren Dienst in der Region.
Diese Flugzeuge haben zahlreiche Menschen sogar noch vor dem elektrischen Strom
kennen und schätzen gelernt.
Das tropische Klima, die kurzen, holprigen Landebahnen aus planierter
Erde oder Lehm, der harte Frachtdienst fordern jedoch nach und nach ihren Tribut.
Bis vor
wenigen Jahren bevölkerten noch fast drei Dutzend der Veteranen Villavicencios
"La Vanguardia"-Flughafen. Heute steuert noch etwas mehr als eine
Handvoll dieser Maschinen die entlegenen Pisten in den Bundesländern Amazonas,
Guainía,
Guaviare, Vaupés, Vichada oder Meta an. Mehrere kleine Fluggesellschaften
versorgen dabei ein Gebiet von fast der doppelten Größe Deutschlands.
Es gibt so gut wie nichts, was nicht befördert wird. Lebensmittel, Brennstoff,
Ersatzteile oder lebendes Kleinvieh gelten als Standardfracht, aber auch Kranken-
oder Militärtransporte gehören zum täglichen Geschäft.
Und natürlich Menschen: ohne die betagten Flieger käme kaum jemand
hinein in die riesigen, unerschlossenen Gebiete – oder heraus.
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