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Karneval der Kulturen:
Rund und Rhythmisch

Teil 1: Rund und Rhythmisch

Die Sonne schaut an diesem Pfingstsonntag nur ab und zu zwischen den Wolken hervor, und für die Jahreszeit weht ein recht kühles Lüftchen. Dennoch friert keiner der mehr als viertausend Tänzer, Musiker, Gaukler und Artisten rund um den Neuköllner Hermannplatz. Vielmehr liegt eine erwartungsfrohe Spannung in der Luft. Man spielt und tanzt sich warm. Alle freuen sich auf die große Parade, auf die Begeisterung von achthunderdtausend Menschen in den Straßen, auf das Feuer der Farben und die Leidenschaft der Musik des Berliner Karnevals der Kulturen.

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Ganz vorn dabei ist wieder Afoxé Loni: die brasilianisch-deutsche Gruppe in ihren gelb-weißen Kostümen führt wie jedes Jahr den Umzug an und fasziniert mit ihren mitreißenden Tanzdarbietungen. Viele Mitglieder der Gruppe sind extra aus allen Teilen Deutschlands, Europas und sogar aus Brasilien angereist, um gemeinsam diesen Höhepunkt des Jahres zu feiern.

Ihnen folgen fast 100 weitere Formationen mit Aktiven aus mehr als 70 Nationen auf die dreieinhalb Kilometer lange Strecke. Aus aller Herren Länder kommt auch das Publikum, dass die vielseitigen Darbietungen bestaunt und beklatscht: Berliner verschiedenster Nationalitäten und aus allen Bezirken feiern mit Besucher aus Schwaben und Bayern, Kanada, Kolumbien, Korea, Südafrika oder der Türkei. Auch Paula aus Curitiba ist dabei. Die Südbrasilianerin ist zum ersten Mal in Deutschland. Sie besucht ihren Bruder, der mit seiner Familie in Berlin lebt. Bei den Rhythmen der vorbeiziehenden Samba-Schule "Amasonia" können auch Paula und ihre Familie nicht mehr widerstehen und tanzen ausgelassen zwischen den Menschen am Straßenrand.

Überhaupt prägen lateinamerikanische Musik und Lebensfreude den zehnstündigen Umzug. Zum Beispiel die Combo "Boi da Caipora" Die Gruppe hat ihre musikalische Wurzeln im Nordosten Brasilien und verbindet die indianischen, iberischen und afrikanischen Elemente der Region zu einem einzigartigen Sound. Die Tänzer und Tänzerinnen der Gruppe "Amistad" (spanisch für Freundschaft) setzen dagegen mit "Salsa Loca" auf pure kubanische Leidenschaft, gemixt aus Rueda, ChaChaCha und Bachata, den sinnlichen Tänzen der Karibikinsel. "Sol Mexicano" schließlich, eine Formation des Deutsch-Mexikanischen Kreises aus Hamburg, präsentiert in bunten Trachten ausdrucksvoll die folkloristische Vielfalt der verschiedenen Regionen Mexikos.

Sind die lateinamerikanischen Rhythmen beim diesjährigen Karneval der Kulturen nicht zu überhören, so ist König Fußball nicht zu übersehen. Die Sambaschule "Sapucaiu no Samba " verbindet sogar beides: ihre Artisten und Tänzer lassen die Bälle zu lauter Trommelmusik wild tanzen. Die bevorstehende Weltmeisterschaft ist auch Thema von "Copa Latina". Tänzer und Tänzerinnen der sieben WM-Teilnehmer aus Lateinamerika und der Karibik (Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Ecuador; Mexiko, Paraguay, Trinidad und Tobago) haben sich vom Fußball inspirieren lassen. In den nationalen Trachten und in den Trikots ihrer Mannschaften wetteifern sie musikalisch und tänzerisch in den verschiedenen Musik- und Tanzrichtungen ihrer Länder. Auch die Teilnehmer mit der weitesten Anreise haben sich ganz dem Rhythmus und dem runden Leder verschrieben. "Real Tobago Legend" versucht mit Limbo, Calypso und Feuertanz die eigenen Vorfahren herbeizurufen, um den 'Soca Warriors', wie die Nationalmannschaft Trinidad und Tobagos genannt wird, bei der WM auch mit übernatürlichem Beistand zu Erfolgen zu verhelfen. Ob Taktgefühl und Ahnenkult tatsächlich helfen, das Runde in das Eckige zu bekommen?

Teil 1: Rund und Rhythmisch
Teil 2: Karneval der Kulturen
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