Der Lärm der Stadt und die Hitze lassen den Leguan kalt, auch der unablässig vorbei fließende Strom von Menschen lässt
ihn völlig unbeeindruckt. Gebieterisch reckt die Echse ihren markanten
Kopf in die Höhe, bewegt ihn in kräftigen, rhythmischen Bewegungen
auf- und abwärts. Damit zeigt das Tier allen: das ist mein Revier und
hier bin ich der Größte! Das besondere an seinem Zuhause: es liegt
mitten in der Millionenstadt Guayaquil.
Irgendwann einmal muss ein glücklicher Zufall ein trächtiges Leguanweibchen
hierher verschlagen haben, in diesen kleinen Park im Zentrum Guayaquils, Ecuadors
Metropole am pazifischen Ozean. Seine Eier hat es vielleicht direkt vor der
mächtigen Kathedrale an der Westseite des Platzes abgelegt –sorgfältig
versteckt natürlich. Die kleinen Leguane, die aus ihnen schlüpften,
begannen schnell, das Viereck des Platzes bis in den letzten Winkel zu erkunden.
Heute haben ihre Nachkommen und weitere “Zuwanderer“ längst
die ganze Fläche zwischen den Straßen “Clemete Ballén
y Millán“ im Norden, “10 de Agosto“ im Süden,
der “Chile-Straße“ im Osten und der “Chimborazo-Straße“ im
Westen für sich erobert. Nicht von ungefähr trägt dieser einzigartige
Ort heute den Namen seiner tierischen Invasoren: Parque de las Iguanas – Park
der Leguane.
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Ohne Zweifel ist dieser Park einer der liebenswertesten Flecken Südamerikas.
Man kann Stunden hier verbringen und immer wieder neues entdecken. “Ardillas“,
die mit ihren buschigen Schwänzen unseren Eichhörnchen sehr ähnlich
sehen, liefern sich wilde Verfolgungsjagden auf den Bäumen des Parks – und überspringen
dabei immer wieder einmal eine Echse, die träge einen Stamm hinauf- oder
hinuterklettert. Wasserschildkröten dösen in mehreren Becken im Südwesten
des Platzes vor sich hin, und die Tauben zeigen wenig Respekt vor dem Simón-Bolívar-Denkmal
und nutzen es immer wieder als Landeplatz. Gerade für Familien mit Kindern
ist der kleine Park mit seinen Tieren “zum Anfassen“ ein großer
Spaß. Besonders beliebt ist es bei den Kleinen, den Leguanen bei der
Fütterung zuzuschauen oder die raue Haut der geduldigen Pflanzenfresser
zu streicheln. Besonders gerne fressen die Reptilien übrigens Salat und
anderes Grünzeug.
Man sieht Schüler in ihren mitunter farbenfrohen Uniformen, die auf dem
Weg in die nahe gelegene Stadtbibliothek hier einen Zwischenstopp einlegen,
Angestellte aus den umliegenden Büros, die hier ihre Mittagspause verbringen,
Geschäftsleute, die die aktuellen Zeitungsberichte (natürlich den
Sportteil) diskutieren, verliebte Paare, die sich auf einer der Parkbänke
tief in die Augen schauen oder staunende Touristen, die sich an den Leguanen
nicht satt sehen können - für alle dieses Menschen ist der “Parque
de las Iguanas“ wie eine ruhige, grüne Trauminsel inmitten des unendlichen
Häusermeers Guayaquils.