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Karibik:
Die ersten Kreuzfahrer

Die Bahamas - grüne Perlen im türkisfarbenen Meer, Kuba - die Zuckerinsel, das geheinmisvolle Yucatán – Exotik und Schönheit der Karibik ziehen Jahr für Jahr Reisende aus aller Welt an. Sehr beliebt ist es, diese Traumziele mit dem Schiff anzusteuern. Riesige Hotelschiffe bringen heute die Menschen zu den malerischsten Orten, den schönsten Stränden. Karibikkreuzfahrten als Massentourismus. Vor 120 Jahren jedoch war eine solche Reise noch ein Abenteuer, das nur wenigen vergönnt war.

Ende des 19. Jahrhunderts begannen reiche US-Amerikaner die auch in den Wintermonaten angenehm warme Karibik als idealen Zufluchtsort zu entdecken, um dem strengen Winter in Neuengland zu entkommen. Geschäftstüchtige Reeder erkannten schnell ihre Chance. So offerierte beispielsweise die amerikanische Schiffahrtslinie “The New York and Cuba Mail Steamship Company“ ab Herbst 1891 betuchten Kunden Fahrten in die „tropische“ Karibik. Von New York aus fuhren die Schiffe der Gesellschaft im regelmäßigen Post- und Passagierdienst zu den Bahamas, nach Kuba und Mexiko. Mit dem neuen Angebot konnten “Vergnügungsreisende“ nun zwischen mehreren "Tours in the Tropics" wählen.

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Eine der am häufigsten angelaufenen Destinationen der Linie war Nassau, die Hauptstadt der Bahamas. Sie war bereits damals ein “Tourismusmekka“. Das warme, gesunde Meeresklima zog die Menschen an. Die Inseln boten zudem passionierten “Sportsmen“ standesgemäße Aktivitäten wie z.B. Hochseefischen oder Segeln. Stolz war man auf das prächtige Royal Victoria Hotel, das damals als bestes Hotel der Westindischen Inseln galt. Für die Wintersaison 1891 wurde eine neue Attraktion angekündigt: erstmals konnte man von Nassau aus Ausflugsfahrten zu den Outer Islands buchen und dabei unter anderem die Insel besuchen, wo Christoph Columbus 1492 zum ersten Mail seinen Fuß auf amerikanischen Boden setzte. “Wer einmal Nassau und die Bahamas besucht hat“, resümmiert die “New York and Cuba Mail Steamship Co.“ in ihrem Prospekt, “kehrt mit Sicherheit hierher zurück. Wenn es ein traumhaftes, sinnliches Paradies auf Erden geben sollte, dann sind es die Bahamas. Athen ist Griechenland, Paris ist Frankreich, Nassau ist Westindien.“

Kuba dagegen – preist die Reederei – sei schon allein wegen dern Kulturangebote in der Hauptstadt Havanna eine Reise wert. “Die Theater und die Oper der Stadt genießen in der ganzen zivilisierten Welt einen hervorragenden Ruf, die Clubs Havannas werden für ihre genialen und anmutigen Service gefeiert“. Doch sollte der Kubareisende es auf keinen Fall versäumen, das malerische Landesinnere mit seinen Zuckerpflantagen und den weltberühmten Tabakpflanzungen zu besuchen. “Jeder der erholt und sonnengebräunt von Kuba ins winterliche New York zurückkehrt, wird ungeduldig auf den nächsten Winter warten um dann, nach den Worten Oliver Twists, nach mehr (von Kuba) zu verlangen.“

 
  Pulque wird aus einer Agave gesaugt (Mexiko 1912). (© Karl Weule)

Die Dampfer der “New York and Cuba Mail Steamship Co.“ liefen auch mehrere Häfen in Mexiko an, darunter. Veracruz, Progreso und Tampico. Von dort hatten die Reisenden Anschluss an Eisenbahnverbindungen in das mexikanische Hochland nach Mexiko City, Puebla und Querétaro. “Die spektakuläre Landschaft entlang dieser großartigen Bahnstrecken“ – davon war man bei der Reederei überzeugt, “ wird jedem Reisenden in der bekannten Welt in unvergesslicher Erinnerung bleiben.“ Besonders beeindruckt zeigten sich die Amerikaner dabei von einer mexikanischen Leidenschaft: “Überall sind riesige Agavenpflanzungen zu sehen, aus deren Saft die Mexikaner ihr großartiges Nationalgetränk ’pulque’ herstellen“.

Im Jahr 1891 war eine Reise von New York in die Karibik im Gegensatz zu heute etwas wirklich Außergewöhnliches. Entsprechend exklusiv war das Ambiente an Bord. Auf vollendeten Service und gesellschaftliche Etikette an Bord wurde viel Wert gelegt – anders als auf den meisten der heutigen Kreuzfahrtschiffe in der Karibik. Zu reisen war damals ein höchst exklusives Vergnügen. Die wirklich unbezahlbaren Momente einer solchen Karibikfahrt haben sich jedoch seitdem nicht verändert: wie der Augenblick, wenn eine grüne, palmenbewachsene Insel wie ein Smaragd aus dem Dunst am Horizont auftaucht, oder die unvergesslichen Minuten, wenn die Sonne unter einem blutroten Himmel im karibischen Meer versinkt.

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