Jede von ihnen wiegt viel, bis zu einer Tonne. Per Tieflader hatten
sie sich auf die beschwerliche Reise von Italien nach Berlin begeben. Dort
angekommen, hievte ein riesiger Kran jede einzelne an ihren Platz an der Seite
des mächtigen Domes oder vor das Brandenburger Tor: die 16 monumentalen
Bronzeskulpturen Fernando Boteros, der als bedeutendster zeitgenössischer
Künstler Lateinamerikas gilt.
Schon während die unter den Augen des Maestros aufgestellt
wurden, bildeten sich Menschentrauben, genossen hunderte von Berlinern und
Berlin-Besuchern
die üppige Sinnlichkeit der Figuren, berührten sie, fotografierten.
Genau das ist es, was Fernando Botero sich für diese Ausstellung ersehnt: „Mir
geht es allein darum“ sagte er in einem Gespräch mit dem Berliner
Tagesspiegel, “den Menschen eine Freude zu machen mit der Schönheit
und der Harmonie der Formen“.
Keine politische oder soziale Botschaft, nur die volle, fast magische Ästhetik
seiner fülligen Wesen die Menschen erleben und fühlen zu lassen,
ist Anliegen des Künstlers, der in seiner kolumbianischen Heimat wie ein
Volksheld verehrt wird. „Normalerweise gehen die Leute in ein Museum,
um Kunst zu sehen. In diesem Falle ist es anders herum: Hier kommt die Kunst
zu den Menschen, auch solchen, die normalerweise nicht ins Museum gehen.“
Boteros Interesse gilt der Form, den sanften runden Oberflächen, die die
Sinnlichkeit seines Werkes betonen: „Ich mag enorme Größe,
Sie ist die Erfüllung meiner Sehnsucht nach ausladenden runden Formen“.
Seine Kunstwerke leben von der Spannung, die sich durch den Gegensatz der Üppigkeit
der Figuren und der gleichzeitigen Reduktion der Details aufbaut.
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Die Statuen haben eine fast magische Anziehungskraft: kaum einer
der vielen Besucher des Berliner Lustgartens kann vorüber gehen, ohne eine der Figuren
anzufassen, zu berühren oder zwischen die mächtigen Pranken der Sphinx
oder des Katers zu klettern. Dass die Üppigkeit seiner Figuren zum Berühren
einlädt, bestätigt die Münchner Galerie Thomas, die seit langem
mit Botero eng verbunden ist: „Keine Kunstwerke der Welt werden so oft
angefasst wie Boteros Bronzeskulpturen und es gibt Sammler, die sich nur für
kurze Zeit von ihren Botero-Exponaten trennen können, weil ihnen die Berührung
derselben Kraft und Ruhe gibt.“
Die Herstellung einer dieser riesigen Skulpturen ist extrem aufwendig, von
der Idee bis zur Fertigstellung vergeht etwa ein Jahr. Viele der in Berlin
ausgestellten Bronzefiguren sind bereits zehn bis 15 Jahre als. Speziell für
Berlin hat Botero jedoch ein Kunstwerk neu geschafften: das Pferd vor dem Brandenburger
Tor. Für Botero steht das Pferd synonym als Symbol der Bewegung und des
Aufbruchs und ist deshalb an diesem Ort platziert, der wie kein anderer die
bewegte Geschichte Berlins und der Bundesrepublik widerspiegelt. Im Sinne Boteros
kontrastiert sein riesiges üppiges und ruhig stehendes Pferd mit dem temperamentvollen
Ausdruck der Bronzeskulptur auf dem Dach des Brandenburger Tores, der Quadriga.
Und natürlich hofft Botero, dass eins seiner Werke – vielleicht
eben dieses Pferd – auf Dauer in der deutschen Hauptstadt bleibt und
die Berliner und ihre Gäste jeden Tag zu tausenden - wie die Menschen
in Paris, New York oder Madrid – vorbeigehen, es anschauen und berühren.
Die Ausstellung wird am 25. September im Rahmen einer Open-Air-Vernissage unter
Anwesenheit Fernando Boteros und der kolumbianischen Botschafterin in Deutschland,
Dr. Victoriana Mejía-Marulanda eröffnet. Danach können die
Skulpturen noch bis zum 25. November 2007 rund um die Uhr und kostenlos besichtigt
werden.