Kolumbien: El Chocó - kompliziert, kontrastreich, eindrucksvoll
Teil 1: Der Chocó: Biodiversität und sozialer Brennpunkt
Dichte Mangroven an der Küste, kaum zugängliche, ausgedehnte
Regenwälder und vom Nebel umwehte Berggipfel – dort wo Mittel- und
Südamerika aufeinandertreffen, liegt einer der faszinierendsten und geheimnisvollsten
Regionen Amerikas: der Chocó. Die überwältigende Natur und
die vielfältigen kulturellen Einflüsse dieses Landstrichs haben die
kolumbianische Malerin Ana María Acosta Ossa zu einer ausdrucksvollen
Bilderserie inspiriert.
Der Chocó – entlang des Pazifiks zieht sich die Region
von Panamá im Norden bis in den Nordwesten Ecuadors. Es ist einer der
artenreichsten Gebiete der Welt: auf einer Fläche, die gerade einmal 1,4
Prozent der Landfläche der Erde umfasst, sind bis zu 60 Prozent aller
bekannten, an Land lebenden Tier- und Pflanzenarten zu finden. Mehr als 9.000
Pflanzenarten – davon bis zu 25 Prozent endemisch, und mehr als 830 Vogelarten – davon
85, die nur hier vorkommen - bevölkern diesen biologischen Hotspot. Entlang
der Küsten suchen Buckelwale und die schwarzen Schildkröten günstige
Plätze, um ihre Nachkommen zur Welt zu bringen, Millionen Seevögel
bevölkern die Gestade.
Vielfältig sind auch die kulturellen Spuren, auf die man im Chocó trifft:
schon in prähispanischer Zeit lebten mehr als 30 Völker den Chocó von
den Fürchten des Waldes und des Meeres. Noch heute leben sechs indigene
Gruppen dort: die Tule, Embera, Eperara Siapidara, Wounaan, Awa und Chachi.
Die Bevölkerungsmehrheit stellen nun jedoch die Afroamerikaner, deren
Vorfahren einst als billige Sklaven für die Bergwerke und Plantagen der
Spanier einst nach Amerika gebracht worden waren.
Die soziale Wirklichkeit im Chocó steht jedoch im krassen Gegensatz
zur üppigen Natur: bittere Armut und brutale Gewalt bedrohen die indigenen
und afroamerikanischen Gemeinden. Paramilitärs und Guerilla-Gruppen überziehen
das Land mit einem schmutzigen Krieg um Einfluss und Macht im lukrativen Drogenhandel
- der kolumbianische Staat ist kaum präsent. Leitragende ist – wie
immer in solchen Konflikten – die Zivilbevölkerung. Hoffnungslosigkeit
und Verzweiflung hat sich in vielen der kleinen Dörfer entlang der Flüsse
ausgebreitet.