Hier oben gibt es nur zwei Farben: das tiefe Blau des Himmels über
unseren Köpfen und das strahlend helle Weiß der endlosen Salzfläche
unter unseren Füßen. Bei genauem Hinschauen erkennen wir, dass die
Oberfläche der Salzkruste nicht eben ist sondern sich aus unendlich vielen,
kleinen Waben zusammensetzt. Nur manchmal unterbrechen dunkle, mit Kakteen
bewachsene Felseninseln diese Zweifarbenwelt. In der Ferne erheben sich schemenhaft
fast 6.000 Meter hohe, schneebedeckte Berggipfel und Vulkane. Nachts im Mondlicht
schimmert das Salz im zarten Violett und bildet mit dem mitternachtsblauen
Nachthimmel eine surreal anmutende Landschaft.
Es ist ein echtes Juwel der Natur, das da im Südwesten Boliviens im gleißenden
Licht der Höhensonne glänzt. Auf der andinen Hochebene, dem Altiplano,
liegt hier auf mehr als 3.600 Höhe der “Salar de Uyuni“, eine
der größten Salzseen der Welt.
Er ist wahrhaft gigantisch: in Ost-Westrichtung
beträgt seine größte Ausdehnung mehr als 130 km, von Norden
nach Süden sogar mehr als 160 km. Insgesamt bedeckt der “Salar de
Uyuni“ eine Fläche von mehr als 11.000 Quadratkilometern. Seine
Salzkruste ist bis zu 7 Meter dick, insgesamt sollen mehr als 10 Milliarden
Tonnen Salz hier liegen.
Das Klima rund um diesen Salzsee ist kalt und trocken, die Böden karg.
Landwirtschaft ist kaum möglich. Die einzige, natürliche Einkommensquelle
für die Indios vom Aymara-Volk, die hier siedeln, ist das Salz, das weiße
Gold der Region. Seit Urzeiten brechen die Aymara mit ihren Lama-Karawanen
auf, um das frische Salz vom Salzsee zu holen und an Händler weiterzuverkaufen.
Das Wort “Uyuni“ bezeichnet in der Aymara-Sprache den Ort, an dem
sie sich mit ihren Lasttieren versammeln. Heute haben zwar vielerorts Lastwagen
die Lamas ersetzt, den Ort “Uyuni“ gibt es aber noch immer.
Das Städtchen Uyuni liegt am Ostufer des nach ihm benannten
Salzsees, 12.000 Menschen leben hier. Es scheint ein einsamer, staubiger, trostloser
Ort in der Mitte von Nirgendwo zu sein, umgeben von einem bunten Ring aus achtlos
weggeworfenem Plastik- und Sperrmüll. Doch welche Überraschung: in
der Ortsmitte reiht sich ein Reisebüro an das andere. Uyuni ist der Ausgangspunkt
für Exkursionen zu den Naturschönheiten in der weiten Ebene der Salzsees.
Mittlerweile hat der Tourismus sogar dem Salz als wichtigster Wirtschaftzweig
den Rang abgelaufen.