Ecuador: Von Judasziegen und blauen Füßen
Von Sven Hoch
Teil 1: Von Judasziegen und blauen Füßen
Seine Angebetete nicht aus den Augen lassend, stolziert er langsam vor seinem
Heim auf und ab und zeigt dabei bedächtig seine großen, leuchtend
blauen Füße. Woher er bloß dieses unwiderstehliche Blau hat?
Dann überreicht er ihr zärtlich sein sorgsam ausgewähltes Geschenk – etwas
Weiches, Kuscheliges für das gemeinsame Nest - und schlägt dann ganz
aufgeregt mit den Flügeln. Wie auf ein geheimes Kommando recken plötzlich
beide Vögel ihre Schnäbel senkrecht in die Luft, zeigen ihre Flügel
und geben das schönste Blautölpel-Liebesduett zum Besten, das man
sich vorstellen kann: er pfeifend – sie stöhnend. Bei ihrem leidenschaftlichen
Balzspiel lassen sich die zwei von niemandem stören, schon gar nicht von
der kaum drei Meter entfernten, staunenden Touristengruppe. Wir sind auf Española,
der südlichsten der Galápagos-Inseln.
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| Es ist die isolierte Lage des Archipels, der tierische Bewohner diese Gelassenheit
und seine menschlichen Besucher dieses Naturschauspiel verdanken. Die Küste
Ecuadors, zu der Galápagos politisch gehört, ist rund 1.000 km
entfernt. Die fünf Dutzend Inseln, davon 13 größere, sind vulkanischen
Ursprungs, vor drei bis fünf Millionen Jahren aus den Tiefen des pazifischen
Ozeans emporgestiegen. Mit dem südamerikanischen Kontinent waren sie nie
verbunden.
Die ersten Pflanzen und Tiere sind wohl eher zufällig und unfreiwillig
hier angespült worden. Den Neuankömmlingen forderten die unwirtlichen
Bedingungen der trockenen und felsigen Inselgruppe große Anpassungen
ab. In Jahrmillionen entwickelte sich so eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt.
Mehr als zwei Drittel der auf den Galápagos-Inseln lebenden Tierarten
sind endemisch, das heißt, es gibt sie nur hier. Im Vergleich zum Festland
ist die Artenvielfalt jedoch gering. Die einzigen Säugetiere sind Seelöwen
und Robben, ansonsten leben hier nur Vögel, Echsen und Schildkröten.
Es gibt nur wenige Jäger, Landraubtiere gehören nicht dazu. Daher
haben die Tiere auf den Inseln im Laufe der Zeit ihren Fluchtinstinkt verloren – und
lassen sich nun aus nächster Nähe beobachten.
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