Preiswert und effektiv – Bogotás Nahverkehrssystem „TransMilenio“ gilt inzwischen als Vorzeigeprojekt mit Nachahmern in vielen lateinamerikanischen, asiatischen und afrikanischen Metropolen. Doch der eigene Erfolg macht dem Unternehmen zu schaffen: die Busse sind zu fast jeder Tageszeit brechend voll. Die längsten Busse der Welt sollen nun Abhilfe schaffen.
Der TransMilenio funktioniert genau genommen nicht viel anders als eine U-Bahn auf Rädern, die an der Oberfläche verläuft. Auf mit kleinen Betonmäuerchen abgetrennten Fahrbahnen rauschen die weinroten Vehikel des Systems in dichter Folge an dem sich stauenden Verkehr der 6-Millionen-Metropole vorbei. Sie halten an bahnsteigähnlichen Stationen, die meist auf den Mittelinseln von Bogotás breiten Boulevards angelegt sind. Über Drehkreuze gelangen die Passagiere auf die geschlossenen Plattformen, deren Türen sich nur öffnen, wenn ein Bus bereit steht. Ein- und Ausstieg sind barrierefrei, denn Plattform- und Bustüren befinden sich auf exakt demselben Niveau. Mit nahezu 1.000 zweigliedrigen Bussen werden derzeit sieben sich kreuzende Routen bedient. Überwacht wird Fahrplan und Verkehrsfluss aus einer computergesteuerten Leitzentrale, die mit den Bussen und den Fahrern in steter Funkverbindung steht.
Mittlerweile nutzen täglich rund 1,6 Millionen Passagiere den TransMilenio und die ganz in grün gehaltenen Feederbusse, die das System mit Fahrgästen aus den Vororten versorgt. Gerade auf den Hauptrouten gleicht das Innere eines TransMilenio jedoch mittlerweile fast rund um die Uhr einer Sardinenbüchse. Um Zustände wie in der der Tokioer Metro zu vermeiden, werden jetzt auf ausgewählten Strecken der Welt längste Gliederbusse eingesetzt.
Mit ihren drei Segmenten kommen diese neuen „Straßenzüge“ auf eine Länge von 27,2 Metern. Sie können 260 Passagiere gleichzeitig transportieren – für 69 gibt es Sitzplätze, für 191 Stehplätze. Damit liegt ihre Kapazität um fast 50 % höher als die der bisher schon eingesetzten zweigliedrigen Busse. Die gewaltige Transportleistung dieser liebevoll „Guasanos“ (Würmer) genannten Gefährte macht eine Studie des Betreibers deutlich: demnach benötigt man für den Transport von 10.000 Passagieren im Stadtverkehr über eine Strecke von einem Kilometer 4.000 PKW oder 400 Kleinbusse oder 57 der bisher eingesetzten zweigliedrigen Busse, aber nur 37 der neuen „Riesenwürmer“.
Mehr Fahrgäste mit weniger Bussen zu transportieren, schont natürlich die Umwelt: man spart Treibstoff, Lärm- und Abgasemissionen werden reduziert. Der Einsatz der neuen Megabusse ist allerdings nicht unumstritten, macht er doch umfangreiche und teure Erweiterungsbauten an den Haltepunkten nötig. Dennoch sind seit August 2009 die ersten fünf dreigliedrigen Busse auf der wichtigsten Strecke entlang der Avenida Caracas bis zur Autobahn „Autonorte“ im Einsatz. Die ersten Einsätze der Riesenwürmer sind vielversprechend: sie kommen bei Fahrgästen und Personal gleichermaßen gut an.